Ratgeber Textilsiegel
OEKO-TEX Standard 100: Was bedeutet das Siegel?
Was das Etikett „OEKO-TEX Standard 100“ zusagt, was nicht, und wie du die Nummer selbst beim Siegelgeber nachsiehst. Alles aus den Dokumenten von OEKO-TEX.
- 14Primärquellen mit Datum, vor allem Dokumente von OEKO-TEX
- 4Produktklassen mit Grenzwert-Beispiel erklärt
- 6Textilsiegel im Vergleich
- 5OEKO-TEX-Nennungen bei uns im Label Check bestätigt
Das Wichtigste in Kürze
- OEKO-TEX STANDARD 100 ist eine Schadstoffprüfung am Textil: Jeder Bestandteil, also auch Nähgarn, Knöpfe und Reißverschlüsse, muss die Grenzwerte des OEKO-TEX-Katalogs einhalten. OEKO-TEX nennt über 1.000 Stoffe.
- Es gibt vier Produktklassen. Klasse I gilt für Artikel für Babys und Kleinkinder bis 36 Monate und hat die strengsten Grenzwerte, Klasse IV für Ausstattung wie Vorhänge.
- Ein Zertifikat gilt ein Jahr. Ob es gültig ist, zeigt der Label Check auf oeko-tex.com mit der Nummer vom Etikett oder über den QR-Code.
- Laut OEKO-TEX ist die Marke kein Gütezeichen, gilt nur für den Neuzustand und sagt nichts über Bio-Anbau, Gebrauchstauglichkeit oder Produktsicherheit. Umwelt- und Sozialkriterien in der Fertigung deckt erst OEKO-TEX MADE IN GREEN ab.
- Wir zählen ein OEKO-TEX-Siegel nur, wenn die Nummer beim Produkt steht und das Zertifikat im Label Check als gültig verzeichnet ist. Ein Logo ohne Nummer zeigen wir, es zählt aber nicht als Nachweis.
SymbolbildSymbolbild ohne Marke. Originalfotos dürfen wir derzeit nicht zeigen.
Was ist OEKO-TEX Standard 100?
OEKO-TEX STANDARD 100 ist ein privater Prüf- und Zertifizierungsstandard für Textilien. Herausgeber ist die OEKO-TEX Service GmbH in Zürich. Geprüft und zertifiziert wird von OEKO-TEX-Instituten, laut Standard-Dokument unabhängigen Prüf- und Forschungsinstituten in Europa und Japan. Ein Gesetz verlangt das Siegel nicht; Hersteller beantragen es freiwillig.
Zertifiziert wird kein Unternehmen als Ganzes, sondern eine Artikelgruppe: Das Zertifikat beschreibt, welche Artikel aus welchem Material, in welchem Verarbeitungszustand und mit welchem Zubehör erfasst sind. Der Standard gilt für Textilien aller Produktionsstufen, von der Faser bis zum fertigen Kleidungsstück, außerdem für Matratzen, Federn und Daunen. Für Leder gibt es einen eigenen Standard (LEATHER STANDARD), für Chemikalien und Farbmittel ECO PASSPORT.
Der Ablauf laut Standard-Dokument: Antrag und Muster an ein Institut, das Institut legt den Prüfumfang fest und prüft die Muster im Labor. Bei der Erstzertifizierung gehört ein Audit im Betrieb dazu, danach mindestens alle drei Jahre. OEKO-TEX behält sich unangekündigte Besuche vor; wer den Zutritt verweigert, verliert das Zertifikat.
Was prüft das Siegel?
Schadstoffe im Sinne des Standards sind Stoffe, die über einem festgelegten Ausmaß im Textil enthalten sind oder beim normalen Gebrauch entstehen und nach dem Stand der Wissenschaft die Gesundheit von Menschen gefährden können. Alle Einzelbestandteile eines Artikels werden geprüft; bei Teilen unter 1 Prozent des Gewichts entscheidet das Institut, ob genug Material für eine Prüfung da ist.
Der Grenzwertkatalog (Anhang 4) umfasst unter anderem pH-Wert, Formaldehyd, extrahierbare Schwermetalle wie Nickel, Blei und Cadmium, Pestizide, chlorierte Phenole, Phthalate, zinnorganische Verbindungen, Bisphenole, bestimmte Farbmittel, PAK, Lösemittel- und Tensidrückstände, PFAS mit Fluorgesamtgehalt, dazu Farbechtheit und eine Geruchsprüfung. Jeder im Labor gemessene Wert muss unter dem Grenzwert der jeweiligen Produktklasse liegen.
Wie stark sich die Klassen unterscheiden, zeigt Formaldehyd: In Klasse I darf es nicht nachweisbar sein (unter 16 mg/kg), in Klasse II gelten 75 mg/kg, in Klasse III 150 und in Klasse IV 300 mg/kg (Grenzwertkatalog Edition 02.2025). PFAS dürfen nach diesem Katalog nicht absichtlich eingesetzt werden.
Die Grenzwerte werden laut OEKO-TEX mindestens einmal im Jahr überarbeitet, meist im März, mit Übergangsfrist bis zum 1. Juni. Seit dem 1. Juni 2026 gelten zum Beispiel neue Grenzwerte für n-Hexan, Dechloran Plus und Vinylchlorid sowie strengere für die Bisphenole B, F, S und AF.
Was prüft OEKO-TEX Standard 100 nicht?
Das Standard-Dokument sagt es selbst: Die Marke OEKO-TEX STANDARD 100 ist kein Gütezeichen. Sie bezieht sich nur auf den Neuzustand des Textils und macht keine Aussage über Gebrauchstauglichkeit, Pflegeverhalten, Brennverhalten, Produktsicherheit, Textilkennzeichnung oder besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC), die nicht im Grenzwertkatalog stehen. Auch Belastungen durch Transport, Lagerung, Verpackung oder Parfümierung im Handel deckt sie nicht ab.
Kein Bio-Siegel: STANDARD 100 setzt keine Bio-Fasern voraus. Steht „Bio-Baumwolle“ im Zertifikat, weist OEKO-TEX ausdrücklich darauf hin, dass das keiner Zertifizierung einer ökologischen und sozial verantwortlichen Baumwollproduktion entspricht.
Keine Herstellungsbedingungen: Umwelt- und Sozialkriterien der Fabriken prüft STANDARD 100 nicht. Dafür verweist OEKO-TEX auf die Betriebszertifizierung STeP und auf das Produktlabel MADE IN GREEN. Der erweiterte Katalog nach Anhang 6 verschärft Grenzwerte mit Blick auf die Produktion, ersetzt aber keine Prüfung der Betriebe.
Und: Wird ein zertifizierter Artikel professionell gewaschen, chemisch gereinigt oder anders behandelt, darf er laut Standard nicht mehr als zertifiziert bezeichnet werden. Das betrifft etwa nachträglich veredelte Ware, nicht deine eigene Wäsche zu Hause.
Welche Produktklassen gibt es?
Der Standard teilt Artikel nach ihrem späteren Verwendungszweck in vier Produktklassen ein. Je enger und länger der Hautkontakt und je empfindlicher die Haut, desto strenger die Grenzwerte. Auch Vorprodukte wie Garne und Stoffe werden in der Klasse des späteren Artikels zertifiziert.
Für dich heißt das: Das Logo allein sagt nicht, nach welcher Klasse geprüft wurde. Ein Stoff mit Klasse IV ist nach den Grenzwerten für Ausstattung zertifiziert, nicht nach denen für Bettwäsche. Welche Klasse ein Artikel hat, steht im Zertifikat. Artikel aus recyceltem Material unbekannter Herkunft können laut Standard nur nach Klasse II bis IV zertifiziert werden.
| Klasse | Gilt für | Beispiele | Formaldehyd höchstens |
|---|---|---|---|
| Klasse I Für Babys | Artikel, Vorprodukte und Zubehör für Babys und Kleinkinder bis 36 Monate | Windeln, Babybodys, Strampler | nicht nachweisbar (unter 16 mg/kg) |
| Klasse II Mit Hautkontakt | Artikel, die zu einem großen Teil direkt mit der Haut in Kontakt kommen | Bettwäsche, Unterwäsche, Hemden, Blusen, Matratzen | 75 mg/kg |
| Klasse III Ohne Hautkontakt | Artikel, die nur mit einer kleinen Fläche die Haut berühren | Jacken, gefütterte Artikel | 150 mg/kg |
| Klasse IV Ausstattung | Artikel zu Ausstattungszwecken | Tischwäsche, Vorhänge, Möbelstoffe, textile Bodenbeläge | 300 mg/kg |
Wie lange gilt ein OEKO-TEX-Zertifikat?
Ein Jahr. Danach muss der Hersteller verlängern. Bei einer nahtlosen Verlängerung bleibt die Zertifikatsnummer gleich, das neue Ablaufdatum liegt genau ein Jahr nach dem alten. Eine verspätete Verlängerung verlängert die Gültigkeit nicht rückwirkend; dazwischen ist das Produkt nicht zertifiziert.
Mit Ablauf oder Entzug des Zertifikats erlischt auch das Recht, das Label zu verwenden, sofort und ohne Mitteilung. Ein Etikett kann also länger im Umlauf sein als das Zertifikat. Ändert der Hersteller Material, Verfahren oder Rezeptur, gilt die geänderte Ware automatisch als nicht zertifiziert, bis das Institut sie bestätigt hat. Entzogene Zertifikate listet OEKO-TEX auf seiner Website.
Wie prüfe ich die Nummer im Label Check?
Jedes OEKO-TEX-Label muss das Logo und eine Angabe zur Rückverfolgbarkeit tragen: das Prüfinstitut mit der Zertifikatsnummer oder einen QR-Code. So schreibt es der Labelling Guide vor, der verbindlicher Teil der Standards ist.
Die Nummer gibst du im Label Check auf oeko-tex.com ein, oder du scannst den QR-Code. Achte auf Groß- und Kleinschreibung, OEKO-TEX unterscheidet sie. Zeigt der Label Check kein Ergebnis, bittet OEKO-TEX darum, sich zu melden.
Steht das Siegel nur im Onlineshop, ohne Nummer, lässt es sich dem Produkt nicht zuordnen. Ein Satz wie „unsere Stoffe sind OEKO-TEX-zertifiziert“ belegt nicht, dass genau dieser Artikel erfasst ist; das Zertifikat kann für ein Vorprodukt, etwa den Stoff, ausgestellt sein.
Was ist OEKO-TEX MADE IN GREEN?
MADE IN GREEN ist ein Produktlabel, das auf der Schadstoffprüfung aufbaut. Voraussetzung ist ein Zertifikat nach STANDARD 100, ORGANIC COTTON oder LEATHER STANDARD. Dazu müssen alle Konfektionsbetriebe nach OEKO-TEX STeP zertifiziert sein, ebenso die Betriebe, die nasschemische Komponenten mit mindestens 5 Prozent des Gewichts herstellen.
STeP umfasst laut OEKO-TEX Chemikalienmanagement, Abwasser und Emissionen, Ressourcen und Abfall sowie soziale Kriterien wie Arbeitszeiten, Löhne, das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit und Arbeitssicherheit. Jedes MADE-IN-GREEN-Produkt hat eine eigene Produkt-ID oder einen QR-Code; im Label Check stehen dann die Produktionsbetriebe, Produktionsstufen und Herstellungsländer.
Was ist der Unterschied zu GOTS, Blauer Engel, bluesign und EU Ecolabel?
Die Siegel beantworten verschiedene Fragen. STANDARD 100 prüft das fertige Textil auf Schadstoffe, unabhängig von der Faser. GOTS setzt Bio-Fasern voraus (ab 95 Prozent „organic“, ab 70 Prozent „made with organic“) und regelt Chemikalien, Umwelt- und Sozialkriterien in der ganzen Verarbeitung; öffentlich prüfen lässt sich dort das Unternehmen, nicht der einzelne Artikel.
Der Blaue Engel für Textilien (DE-UZ 154, Ausgabe 2023) ist das Umweltzeichen des Bundes; die Zeichenseite nennt als Vorteile „umweltschonend hergestellt“, „schadstoffarm“ und „haltbar“, die Produktsuche führt nur wenige Textilien. bluesign ist ein System für Chemikalienmanagement in der Lieferkette mit Partnerbetrieben und Kennzeichnung für Produkte. Das EU Ecolabel ist das Umweltzeichen der EU; für Textilien gelten die Kriterien des Beschlusses 2014/350/EU, die unter anderem fluorhaltige wasser-, öl- und schmutzabweisende Ausrüstungen ausschließen.
Eine behördliche Rangfolge der Textilsiegel gibt es nicht. Die Tabelle unten stellt nur nebeneinander, was die Siegelgeber selbst als Prüfumfang angeben.
| Siegel | Wer vergibt | Im Mittelpunkt | Bio-Fasern Pflicht | Fertigung geprüft | Öffentlich prüfbar |
|---|---|---|---|---|---|
| OEKO-TEX STANDARD 100 | OEKO-TEX-Institute (OEKO-TEX Service GmbH, Zürich) | Schadstoffe im fertigen Artikel, alle Bestandteile, Grenzwerte je Produktklasse | nein | nein (Audit des Betriebs nur zur Qualitätssicherung) | ja, Label Check je Zertifikatsnummer |
| OEKO-TEX MADE IN GREEN | OEKO-TEX-Institute | Schadstoffprüfung wie STANDARD 100 plus Fertigung in STeP-zertifizierten Betrieben | nein | ja, Umwelt und Soziales über STeP | ja, Label Check je Produkt-ID mit Betrieben und Ländern |
| GOTS (Version 8.1) | anerkannte Zertifizierungsstellen (Global Standard gGmbH) | Bio-Fasern, Chemikalien, Umwelt- und Sozialkriterien in der Verarbeitung | ja, mindestens 70 Prozent | ja | teilweise, Datenbank nach Unternehmen, nicht je Artikel |
| Blauer Engel Textilien (DE-UZ 154) | Umweltzeichen des Bundes, Vergabe über RAL | laut Zeichenseite umweltschonend hergestellt, schadstoffarm, haltbar | nein | ja, Umweltanforderungen an die Herstellung | ja, Produktsuche auf blauer-engel.de |
| bluesign | bluesign technologies (Partnerbetriebe) | Chemikalienmanagement über die Lieferkette | nein | ja, Chemikalien und Umwelt in den Betrieben | laut Website über die Liste der Partner |
| EU Ecolabel Textil | Umweltzeichen der EU, Vergabe über nationale Stellen | Kriterien nach Beschluss 2014/350/EU, u. a. Fasern, Chemikalien, Gebrauchstauglichkeit | nein | ja | ja, Produktkatalog der EU |
Quellen 4
- Global Standard gGmbH: GOTS Version 8.1, Abschnitt 2.7.5 (Kennzeichnungsstufen), gelesen am 08.10.2026
- Blauer Engel: Textilien (DE-UZ 154, Ausgabe 2023), abgerufen 22.10.2026
- bluesign technologies: Website (abgerufen 22.10.2026)
- Beschluss 2014/350/EU der Kommission über die Kriterien für die Vergabe des EU-Umweltzeichens für Textilerzeugnisse, gelesen am 08.10.2026
Brauche ich das Siegel, damit ein Textil die Gesetze einhält?
Nein. Jedes in der EU verkaufte Textil muss die Beschränkungen der REACH-Verordnung einhalten, mit oder ohne Siegel. Anhang XVII begrenzt zum Beispiel Azofarbstoffe, die bestimmte aromatische Amine abspalten (Eintrag 43), die Nickelabgabe von Knöpfen und Nieten (Eintrag 27), Chrom(VI) in Lederteilen (Eintrag 47), PAK in Kunststoff- und Gummiteilen (Eintrag 50) und CMR-Stoffe in Kleidung und Bettwäsche, darunter Formaldehyd mit 75 mg/kg (Eintrag 72). Für PFHxA, eine PFAS-Gruppe, gilt seit dem 10.10.2026 ein Grenzwert in Kleidung.
OEKO-TEX schreibt, dass seine Kriterien die Anhänge XVII und XIV der REACH-Verordnung und die SVHC-Kandidatenliste der ECHA berücksichtigen. Das Siegel ist damit eine zusätzliche, freiwillige Prüfung durch Dritte, keine Voraussetzung für den Verkauf. Pflicht auf dem Etikett ist nach der Textilkennzeichnungsverordnung nur die Faserzusammensetzung.
Quellen 4
- Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH), Anhang XVII, Einträge 27, 43, 47, 50 und 72, konsolidierte Fassung, gelesen über das Amt für Veröffentlichungen der EU
- Verordnung (EU) 2024/2462 zur Änderung von Anhang XVII (PFHxA)
- Verordnung (EU) Nr. 1007/2011 über Textilfaserbezeichnungen
- OEKO-TEX: OEKO-TEX STANDARD 100 (Abschnitt zu gesetzlichen Anforderungen, abgerufen 22.10.2026)
Wie wertet schadstofffreier.de das Siegel?
Wir zählen ein OEKO-TEX-Siegel nur mit Beleg in der Datenbank des Siegelgebers: Die Nummer muss beim Produkt stehen, und das Zertifikat muss im Label Check als gültig verzeichnet sein. Das Abfragedatum steht in der Tabelle des jeweiligen Bereichs. Ein Logo ohne Nummer, eine Nummer, die wir nicht abfragen konnten, und ein abgelaufenes Zertifikat zeigen wir an, sie zählen aber nicht als Nachweis.
In unseren 38 Textilprodukten (Bettwäsche und Babykleidung) nennen die Anbieter OEKO-TEX STANDARD 100 bei 13 Produkten. Bestätigt im Label Check: 5. Nummer angegeben, aber nicht abgefragt: 0. Zertifikat abgelaufen: 2. Nur Logo ohne Nummer: 6.
Beim Prüfumfang ordnen wir STANDARD 100 in Gruppe B ein (Prüfung des fertigen Produkts), GOTS, IVN BEST und OEKO-TEX MADE IN GREEN in Gruppe A (Rohstoff oder Fertigung über die Lieferkette). Die Einteilung ist unsere Methodik aus den Kriterien der Siegelgeber, keine behördliche Rangfolge und kein Urteil über einzelne Produkte.
Keine Laborprüfung, keine Kaufberatung und keine Bewertung von Herstellern. Wir geben wieder, was die Siegelgeber und das EU-Recht festlegen, mit Fundstelle. Ob ein einzelnes Produkt zertifiziert ist, zeigt nur der Label Check zur Nummer auf dem Etikett.
Häufige Fragen zu OEKO-TEX Standard 100
Ist OEKO-TEX Standard 100 ein Bio-Siegel?
Nein. STANDARD 100 prüft das fertige Textil auf Schadstoffe, egal aus welcher Faser es besteht. Bio-Fasern setzt der Standard nicht voraus.
Steht „Bio-Baumwolle“ im Zertifikat, entspricht das laut OEKO-TEX ausdrücklich keiner Zertifizierung einer ökologischen und sozial verantwortlichen Baumwollproduktion. Bio-Fasern setzen zum Beispiel GOTS und IVN BEST voraus.
Quelle: OEKO-TEX STANDARD 100, Edition 01.2026, Abschnitt 5.5
Heißt OEKO-TEX Standard 100, dass keine Schadstoffe im Textil sind?
Nein. Es heißt, dass die geprüften Muster die Grenzwerte des OEKO-TEX-Katalogs für ihre Produktklasse unterschritten haben. Grenzwerte sind keine Null, und Stoffe außerhalb des Katalogs sind nicht erfasst.
OEKO-TEX schreibt selbst, dass die Marke kein Gütezeichen ist und sich nur auf den Neuzustand bezieht.
Quelle: OEKO-TEX STANDARD 100, Edition 01.2026, Abschnitt 3.1
Wie lange ist ein OEKO-TEX-Zertifikat gültig?
Ein Jahr. Bei nahtloser Verlängerung bleibt die Nummer gleich. Ob ein Zertifikat heute gültig ist, zeigt nur der Label Check auf oeko-tex.com, nicht das Etikett.
Quelle: OEKO-TEX STANDARD 100, Edition 01.2026, Abschnitt 5.9
Welche Produktklasse gilt für Babyartikel?
Klasse I. Sie gilt laut Standard für Artikel, Vorprodukte und Zubehör für Babys und Kleinkinder bis 36 Monate und hat die strengsten Grenzwerte; Formaldehyd darf dort zum Beispiel nicht nachweisbar sein.
Welche Klasse ein Artikel hat, steht im Zertifikat. Das Logo allein verrät es nicht.
Quelle: OEKO-TEX STANDARD 100, Edition 01.2026, Abschnitt 4.4.1; Anhang 4, Edition 02.2025
Was ist der Unterschied zwischen OEKO-TEX und GOTS?
OEKO-TEX STANDARD 100 prüft das fertige Produkt auf Schadstoffe, unabhängig von der Faser. GOTS setzt Bio-Fasern voraus (ab 70 Prozent) und regelt Chemikalien, Umwelt- und Sozialkriterien in der ganzen Verarbeitung.
Beim öffentlichen Nachweis ist es umgekehrt: Ein OEKO-TEX-Zertifikat lässt sich je Nummer im Label Check prüfen, bei GOTS ist öffentlich nur das Unternehmen prüfbar.
Quellen: OEKO-TEX STANDARD 100, Edition 01.2026; GOTS Version 8.1
Was ist OEKO-TEX MADE IN GREEN?
Ein Produktlabel, das eine Schadstoffprüfung (zum Beispiel STANDARD 100) mit einer Fertigung in Betrieben verbindet, die nach OEKO-TEX STeP für Umwelt- und Sozialkriterien zertifiziert sind.
Jedes Produkt hat eine eigene ID; im Label Check stehen die Betriebe und Herstellungsländer.
Quelle: oeko-tex.com, OEKO-TEX MADE IN GREEN, abgerufen 22.10.2026
Wie wertet schadstofffreier.de ein OEKO-TEX-Siegel?
Nur mit Nummer beim Produkt und gültigem Eintrag im Label Check, mit Abfragedatum. Ein Logo ohne Nummer und ein abgelaufenes Zertifikat zeigen wir an, sie zählen aber nicht als Nachweis.
Beim Prüfumfang ordnen wir STANDARD 100 in Gruppe B (Prüfung des fertigen Produkts) ein, GOTS, IVN BEST und MADE IN GREEN in Gruppe A. Diese Einteilung ist unsere Methodik, keine behördliche Rangfolge.
Und jetzt?
Sieh nach, bei welchen Textilien ein Siegel öffentlich belegt ist, oder lies, wie wir Siegel prüfen.
